fanadventures.net

English

Classic Review: Der Schatz im Silbersee

Overview > fanadventures.net

Hier nehme ich aus Lust und Laune mal einen Klassiker aus heimischen Gefilden unter die Lupe.


1993: Als kleiner Bub war ich ja ein großer Fan von Winnetou und Old Shatterhand.
So hab ich dann im Kaufhausregal nach Monkey Island mein zweites Adventure entdeckt.

Diesmal nicht von der legendären Lucas Arts Company geschmiedet, sondern vom deutschen Spielehersteller Software 2000. Das war mit Ascon so mit die größte Nummer hierzulande. Die Eutiner wurden vorallem durch den Fußballmanager 'Hattrick' sehr bekannt. Ende der 90er verschlechterte sich jedoch die Situation für das Unternehmen und es wurde 2002 schließlich Insolvenz angemeldet.

Das Konzept von 'Der Schatz im Silbersee' war einfach gedacht. Man nehme die bekannten und beliebten Erzählungen von Karl May und mache daraus ein interaktives Computerspiel. Dafür wurden die Rechte der Karl May Verlagsgesellschaft gekauft, die darüber hinaus noch vertraglich erwirken ließ, dass sie am Story-Konzept mitarbeiten durfte. Nach dem Spiel sollte es eine Fortsetzung geben. 'Durch die Wüste' diesmal eine Kara Ben Nemsi Erzählung. Dazu kam es leider nicht mehr, da die Verkaufzahlen für Silbersee nicht wie erhofft ausgefallen sind. Jedoch müsste es schon eine Demo von diesem verschollenen Spiel gegeben haben. Was mit dem Spiel geschehen ist weiß kein Mensch, aber vllt. erblickt es posthum doch noch das Licht der Welt, was ich aber eher für unwarscheinlich halte.

Zum Spiel selbst. Ein Indiana Jones braucht hier keiner erwarten.
Ich würde sagen es ist höchstenes Mittelmaß. Trotz aller Schwächen macht es dem Hardcore-Adventuregamer trotzdem Spaß zu spielen denke ich. Die Puzzles sind von der Schwierigkeit niedrig bis mittel. In sich logisch aber oft auch linear und einfallslos. Gibt auch knackige Stellen, oder besser gesagt beknackte Stellen, wo man 2x in einen leeren Wald reinschauen muss, dass man ein verrostetes Messer findet. Bei fehlender Objektangabe auf dem Bildschirm doppelt schwierig. Fairerweise muss man sagen, dass die Umsetzung von einer Romanvorlage schon mal nicht so einfach ist. Man ist an die Handlung gebunden und für die Puzzles stehen außerdem nur authentische Items zur Verfügung.

Das Spiel ist in vier Kapitel unterteilt. Die Hintergründe sind schon sehr amtlich für die Zeit.
So wie es aussieht wurden da die Backgrounds gemalt, eingescannt und dann nachbearbeitet. Mir gefällt die Farbgebung sehr. Das Grafikkonzept ist gut umgesetzt und stimmig. Was stört ist, dass der ein oder andere Background nicht sehr authentisch wirkt. Bspw. sieht das Haus von Rafters Farm aus, wie eines aus Baden-Württemberg von 1993.

Insgesamt wirkt das Spiel steif. Die Story ist jetzt nicht weltbewegend inszeniert. Aber es ist eben auch kein komisches Game. Auf Gags, lustige Dialoge und witzige Animationen wartet man hier vergebens. Jedoch fragt man sich als Spieler immer wie es denn nun weitergeht und insofern ist es schon mal ein Auge wert, für den geneigten Spieler.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim anzocken.

Christian